Mit dem T-34 in Berlin

13.10.2013 18:58
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#1
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Techniker 1 ( gelöscht )

Es muss so der 10. August 1961 gewesen sein. Ich war damals junger Panzerfahrer einer Gefechtsmaschine im Dienstgrad Gefreiter und stand Wache im Panzerpark des PR-8 in Prora.
Früh am 11., ich stand gerade auf Posten, wurde Alarm ausgelöst. Ratzbatz stürzten die Besatzungen in den Park, es öffneten sich die Hallentore und einer der "Dicken" nach dem anderen formierte sich zur Marschkolonne und verliess das Objekt in Richtung Konzentrierungsraum.
Nur die Panzer unserer Kp. blieben stehen, erst musste die Wache abgelöst werden. Nach dem das geschah, gings im Laufschritt in die Ladestation, gerade die Batterien für mein Fahrzeug hatte ich am Tage vorher dorthin zum Aufladen geschafft.
Als ich dort hin kam, fand ich keine Batterien mehr vor. Entweder hatte sie der Ladewart verladen, oder jemand anders hatte sie dort abgeholt, das konnte ich nun nicht mehr klären, es war ja auch niemand mehr da, mit dem man was klären konnte.
Im Park meldete ich das meinem Kommandanten, Feldwebel Wiedenhöft, und der entschied: Starte mit Druckluft. Der T-34 hatte im Bug eine Druckluftflasche mit 150 at Druck, mit dessen Hilfe man den Panzer mehrmals starten konnte. Ich hatte das noch nie gemacht, also Gang rein, Kupplung treten, Flaschenventil öffnen, Vollgas- der Motor sprang sofort an und nun musste das Ventil schnell geschlossen werden, denn die Druckluft wurde sicher noch gebraucht. Mittlerweile dämmerte es schon und ich war recht froh, denn es leuchtete auch kein Scheinwerfer, keine Instrumentenbeleuchtung- die ganze Elektrik hing an den Batterien, die nicht da waren.
Mittlerweile waren wir im KR angelangt, der Panzer wurde in Stellung gefahren und abgetarnt, der Ladeschütze, Soldat Trunz, machte sich mit den Kochgeschirren und Feldflaschen der Besatzung auf den Weg, um das Frühstück zu fassen und wir standen um den Panzer und rätselten, was dieser Alarm zu bedeuten hätte. Schliesslich einigten wir uns darauf, dass es vermutlich eine Regimentsübung sei, andererseits war es nicht üblich, solche Übungen mit dem vollen Kampfsatz an Munition zu fahren- alle Panzer, auch die Lehrgefechtsmachinen, waren voll aufmunitioniert.
Gegen Abend formierte sich die Kp. wieder zur Marschkolonne und wir führten eine Nachtmarsch durch, was für mich, der ich ja keinen Scheinwerfer benutzen konnte, ein grosses Problem war.
Irgendwann, mittlerweile war es der 12.08. kamen wir gegen 23:00 Uhr an einer Bahnstation an, den Namen weiss ich heute nicht mehr. Mittlerweile war die Druckluft alle, so dass der Panzermotor nicht mehr ausgemacht wurde und ständig im Leerlauf lief. Das Verladen auf Plattformwagen verlief zügig und ohne Vorkommnisse, wir bezogen unsere Plätze in den Mannschaftswaggons und der Zug setzte sich in Bewegung. Gegen vier Uhr früh stoppte der Zug irgendwo im Nirgendwo und der Btl.-Polit erschien im Wagen. Die Schläfer, darunter auch ich, wurden geweckt und der StKPA verkündtet das Ziel unserer Fahrt- Berlin!
Niemand fand danach mehr in den Schlaf.
Da ich Berliner war, wurde ich natürlich befragt, was denn da zu erwarten sei, aber was wusste ich schon. Alles, was ich sagen konnte, wussten die anderen letztendlich auch, dass es eine offene Grenze gab, dass die zum Schaden der DDR durch die BRD ausgenutzt wurde, dass manche im Osten wohnten, aber im Westen arbeiteten, dass so mancher Student schon seinen Arbeitsvertrag mit einem westdeutschen Betrieb in der Tasche hatte, bevor er seine letzte Prüfung abgelegt hatte usw. usf.
Kurz, nachdem es endgültig hell geworden war, traf unser Transport in Berlin Magerviehhof ein, die Fahrzeuge wurden entladen, wobei meines mit Hilfe eines Baumstammes, der zwischen die Panzer gelegt wurde, angeschoben wurde und dann wurden die Fahrzeuge in militärischer Ordnung abgestellt.
Fortsetzung folgt.


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14.10.2013 18:12
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#2
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Techniker 1 ( gelöscht )

Wie immer, erfolgte erst mal das grosse Reinemachen, genaueres kann ich heute nicht mehr sagen. Ich erinnere mich aber noch, dass ich die Margarine, die es damals noch frühs und abends gab, mit in die Fettpresse getan habe, denn von nun an bekamen wir statt der Margarine Butter gereicht. Wir führten die Wartung nach dem Einsatz durch, reinigten noch einmal alle Filter und, oh Wunder, mein TA erschien an meinem Panzer, drückte mir die Deichsel eines Gummiwagens in die Hand und liess mich vier neue Batterien und eine gefüllte Druckluftflasche aufladen. Nun war also auch die 0032425 wieder voll einsatzbereit. Allerdings hatte ich beim Einbau der Batterien festgestellt, dass der in Fahrtrichtung links gelegene Batterieschacht ziemlich verölt war und es stellte sich heraus, dass der Anschluss der Hauptölleitung am Ölfilter leckte. Ich habe diesen noch mal nachgezogen und hoffte nun, das Problem gelöst zu haben.
Sehr lange blieben wir nicht im Magerviehhof, denn ein oder zwei Tage später rückte unsere Kp. zur Sicherung der Staatsgrenze in Berlin aus. Ich konnte feststellen, dass viele Berliner uns zuwinkten, andere schienen aber anders darüber zu denken, denn auf einem nachfolgenden Panzer, den der Stgefr. Hess kommandierte, zerschellte plötzlich ein Blumentopf.
Das Ziel unserer Fahrt war der S-Bahnhof Friedrichstrasse.
Dort bezogen wir unmittelbar am Bahnhof auf einem freien Platz Stellung. Der Platz war durch einen notdürftigen Drahtzaun gesichert. Dieser hatte mehr Symbolcharakter, es sollte halt irgendwie eine Abgrenzung geschaffen werden, damit nicht jeder auf den Panzern herumklettern kann. Immerhin, ich erwähnte es schon, waren wir voll aufmunitioniert. Auch ich hatte meine Makarow ständig am Mann.
Trotz des Zaunes waren ständig irgendwelche Zivilisten am Platz, die zwischen den Panzern herumwieselten. Meist waren es Delegationen aus den Betrieben, Kampfgruppen, Parteiveteranen, wir hatten jedenfalls reichlich zu tun.
Für mich traf das in besonderem Maße zu, denn durch das Nachziehen der Schraube am Ölfilter hatte sich die Situation verschlimmert, der Filter saute Öl, dass es eine wahre Freude war. Als ich das meinem TA berichtete, murmelte er irgendwas in seinen nicht vorhandenen Bart, das irgendwie nicht nach einer Belobigung klang. Kurze Zeit später erschien er wieder an meinem Panzer, einen nagelneuen Ölfilter unter dem Arm geklemmt und befahl mir, diesen sofort zu wechseln.
Also, Batterien rechte Seite ausbauen, rein in den Schacht, Schrauben am Filter lösen, Filter raus, neuen Filter anschrauben, Leitungen anschrauben.
Was sich jetzt so schnell niederschreiben lässt, war in der Realität etwas komplizierter. Der Batterieschacht ist nicht für einen Menschen, sondern für zwei Batterien, 12 Volt, 140 Ah gedacht. Da muss man erst mal reinkommen!
Gottseidank war ich damals ein ziemlich spacker Kerl, wie man an den Fotos, die bei uns im Museum hängen, unschwer erkennen kann. Trotzdem war es eine Sauerei, aus den Leitungen tropfte mir ständig Motorenöl ins Gesicht und in die Haare, die Lage in dem engen Schacht war mehr als unbequem und Licht hatte ich auch nur durch eine Taschenlampe, die das Szenario mehr schlecht als recht ausleuchtete.
Aber nun, es gibt nichts, was ein deutscher Gefreiter nicht kann und nach einiger Zeit konnte ich meinem TA melden, dass das Fahrzeug wieder einsatzbereit sei.
Wird fortgesetzt.


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14.10.2013 22:58
avatar  0bstihj
#3
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Hallo Panzerfahrer Techniker,
eine interessante Geschichte. Habe ich das richtig verstanden, ihr habt einen Panzer mittels eines weiteren Panzers angeschoben?
Hätte gar nicht gedacht das so was ginge. Erzähle mal weiter, Danke für deine Mühen. Geschichte Live von Augenzeugen zu erfahren
hat immer was für sich.

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15.10.2013 23:10
#4
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obstihj, Du hast es nicht mehr erlebt, aber mit den 152-SFL in Lehnitz hat man es bei Alarm (auch wohl nicht ganz legal ) ebenfalls praktiziert. Wimre durfte Panzertechnik nicht per Anschieben/-schleppen gestartet werden; zumindest in Friedenszeiten. ..kann der Techniker uns sicher erläutern.....kann mich noch an ein großes Bohei erinnern, als mit selbiger Methode auf dem G-Park ein SPW angeschoben wurde und der Kontrollnik es mitbekam....
Gruß

Es liegt in der menschlichen Natur, daß man von jeder Einrichtung die Dornen stärker empfindet als die Rosen.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck (1815 - 1898), preußisch-deutscher Staatsmann und 1. Reichskanzler

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16.10.2013 12:32
avatar  Techniker 1 ( gelöscht )
#5
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Techniker 1 ( gelöscht )

Ja, so warns die alten Panzerleut...
In solch einem Fall gibt es immer Ärger, wenn was passiert.
Bunte Bänder, Böllerschüsse, wenn alles glatt geht, Gitter vors Fenster und Kette ans Bein, wenn was schief läuft.
Allerdings braucht der Panzermotor nur einen kleinen Schubs, um anzuspringen. 12 Zylinder Diesel mit direkter Strahleinspritzung, der ist sofort da.
Ich hatte ja schon vorher, als die Druckluft alle war, den Panzer immer an einem Gefälle abgestellt, so, dass er (mit eingelegtem Gang) bei getretener Kupplung ins Rollen kam, wenn man dann die Kupplung kommen liess, lief der Motor sofort.
Und den Baumstamm hatten wir uns schon während der Verladung aufs Heck gelegt und verzurrt- man weiss ja, was einen erwartet.


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16.10.2013 15:44
avatar  Techniker 1 ( gelöscht )
#6
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Techniker 1 ( gelöscht )

Fortsetzung...
Natürlich war ich froh, alles wieder auf die Reihe bekommen zu haben und mischte mich unter den Personalbestand, der auf dem Platz herumwieselte. Darunter mehrere junge Damen im Blauhemd, auf die ich durch mein leicht derangiertes Aussehen sicherlich großen Eindruck machte.
Leider traf ich nicht nur junge FDJ-lerinnen, auch meinem KC lief ich dabei in die Arme, der mich recht kritisch musterte und mich "Aber Dalli!" zum Friseur in Marsch setzte.
Den Friseurladen fand ich in der Nähe, eine Querstraße weiter. Schon, als ich ihn betrat, stellte ich fest, dass ich in meiner Lederolkombi hier wohl nie zu den Stammgästen zählen würde. Der Laden war für Westkundschaft eingerichtet, die sich dort für wenig Geld seine Dauerwellen legen ließ.
Ich hatte kaum Platz genommen, als mich der Chef schon rannahm- offensichtlich wollte er mich schnell wieder raus haben.
Er zog den Kamm einmal durchs Haar, hielt diesen gegen das Licht und bemerkte: "Wollen wir erst mal waschen?" Völlig klar, das gute Panzermotorenöl machte hier keinen guten Eindruck.
Beim Waschen habe ich wirklich gestaunt, wieviel Schmutz doch im Haar versammelt war, das Shampoo musste mehrfach aufgetragen werden, bis das Haar zum Frisieren würdig befunden werden konnte. Ich zahlte und ging zurück, innerlich recht heiter gestimmt.
Ansonsten gab es nichts wesentliches mehr zu berichten, ich kann auch im Nachhinein nicht mehr sagen, wie lange wir dort standen, bis unsere Ablösung eintraf.
Insgesamt schienen die Westalliierten ziemlich überrascht zu sein von dieser Maßnahme, Außer verbalen Protesten und wütenden Kommentaren des RIAS und SFB kam nichts weiter.
Als wir dann wieder im Magerviehhof eintrafen, stellten wir die Fahrzeuge ab und trollten uns in die Unterkunft. Nächsten früh war Apell und ich wurde vor die Front gerufen- der Regimentskommandeur, Major Müller, beförderte mich zum Unteroffizier. Nun hatte ich den Dienstgrad, der meiner Planstelle entsprach und ich war voller Stolz.
Kurze Zeit später fuhren wir zu unserem zweiten Einsatz hinaus, dieses Mal zum Arkonaplatz. Von dort hatten wir die Grenze zu Westberlin gut im Blick. Wir saßen dort, anders als am Bhf. Friedrichstrasse, im vier-Stunden-Rhythmus auf dem Fahrzeug. Einer stand in der Kommandantenluke, einer in der Luke des Ladeschützen (des Ladehugos) der Fahrer auf seinem Platz und der Richtschütze saß auf seinem Platz am ZF. So viel zur Theorie, praktisch döste der Fahrer in seinem Sitz, der Richt- oder Ladeschütze schlief im Kampfraum und der Kommandant Nach vier Stunden ging es ins Zelt, wo dann Politinformation oder andere Beschäftigung angesagt war. Hier hatten unsere Politstellvertreter ihre grosse Zeit, denn alles, was die politische Lage betraf, interessierte uns sehr.
Ich hatte auch mehrfach Besuch von meiner Familie, so besuchte mich mein Bruder und auch meine Eltern waren mal da.
Am Sonntag war jenseits der Mauer, in Westberlin ein grosses Begängnis feststellbar. Es wurde mit Taschentüchern gewinkt, Sprechchöre erschallten… Unser Bataillonskommandeur sah das mit Unbehagen, plötzlich gab er Befehl „Alarm!“.
Die Motoren wurden gestartet, Dieselqualm hüllte die Panzer ein und die Qualmwolke zog in Richtung Grenze.
Als sie sich verzogen hatte, war die Grenze wie leergefegt, kurze Zeit später erschien ein englischer SPW und ein Hubschrauber, anscheinend wollte man wissen, was da los war. Wir waren mittlerweile wieder zum normalen Wachrhythmus übergegangen.
Fortsetzung folgt.

[ Editiert von Techniker 1 am 16.10.13 15:45 ]


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16.10.2013 16:38
#7
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Danke @Techniker!
Ich lese gespannt mit und kann die Fortsetzung kaum erwarten.


Boofinger

NVA * GWD 88-90 * 3. Raketenbrigade

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21.10.2013 19:39
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#8
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Techniker 1 ( gelöscht )

Das war es dann eigentlich schon. Wie es weiterging, ist mir nicht mehr erinnerlich. Ich weiss nur noch, dass die letzten Monate recht ereignisreich waren. Schiessen mit Granaten weiss ich noch, irgendwann war Aufnahmeprüfung an der Offiziersschule, der Panzer wurde an einen anderen Fahrer übergeben und irgendwann im Herbst fand ich mich dann als Offiziersschüler des ersten Lehrjahres in Grossenhain wieder. Dort begann ein neues Leben, Gottseidank hat man mir aber die mil.Grundausbildung erspart, ich kam als "gestandener Uffz" da gut drumrum.


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21.10.2013 20:18
#9
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Hallo Techniker
es war doch nicht dein einziger Exkurs bei der Panzerei. Die Jahre in der Schule und dein anschließender Dienstweg haben doch bestimmt auch noch für uns Interessantes gebracht. Es würde dem Forum gut tun, auch davon etwas zu lesen.
Nur Mut.



FuAB-21/NB-4/AB-4/MSR-24/OHS S08/Rentner

Jedes Ding hat drei Seiten: mein, deine und die der Tatsachen.


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03.12.2016 22:34
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#10
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Techniker ( gelöscht )

Ja, die Offiziersschule in Grossenhain. Ich war , zusammen mit ein paar wenigen anderen, jemand, der ja schon einen Panzer nicht nur angefasst, sondern auch im Einsatz gefahren hatte. Das machte allerdings nicht all zu großen Eindruck auf meine Vorgesetzten, die zudem noch in schneller Folge wechselten. Zum Schluss hatten wir aber unsere Struktur, die sich dann über mehrere Jahre nicht mehr veränderte. Kompaniechef war Hptm. Schmidt, Mein Zugführer war Ultn. Paulus, den zweiten Zug führte Ultn. Block und Spiess war Hfw. Konrad. Konrad war ein Typ, vor dem man Respekt hatte und der, ungeachtet der Person durchgriff.Er hatte immer ine Kladde am Mann, in welche diverse Verfehlungen seiner Schäfchen ihren Nachweis fanden (OS Andree singt nicht mit, macht nur la,la) und er fand auch immer Dinge, die nach Feierabend sofort zu erledigen waren und dann hatten die in der Kladde notierten immer reichlich zu tun.
Im ersten Lehrjahr lief eigentlich alles noch sehr praxisfern ab, wir paukten Polit, die mathematisch, physikalisch, chemischen Grundlagen, erfreuten uns an der Schönheit der russischen Sprache, rannten wie die kaputten bis 10.000m um den Flugplatz herum, standen Wache, machten Küchendienst, mit einem Wort, wir bereiteten uns auf große Dinge vor, die im zweiten Lehrjahr auf uns zukommen sollten. Von Panzern selber sahen wir nicht allzuviel, das änderte sich erst gegen Ende des ersten Halbjahres, als die Fächer Panzertechnik und Motorenkunde das ersste Mal auf dem Dienstplan erschienen. Da wurde es dann langsam interessanter, manches kannte ich schon, aber nun wurde natürlich alles noch einmal wesentlich präziser erlernt und immer wieder geprüft.


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03.12.2016 23:32 (zuletzt bearbeitet: 03.12.2016 23:35)
#11
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Beim Lesen von

Zitat von Techniker im Beitrag #10
... Mein Zugführer war Ultn. Paulus....

klingelte es gewaltig in meinem Kopf. Da war doch was?
Über einen Paulus habe ich doch gerade erst was gelesen oder in einer TV-Doku gesehen. (?)
Kurz gegoogled und das hier gefunden: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Paulus

Zitat von "Wikipedia über Fridrich Paulus"
... Tatsächlich wurde Paulus am 5. Januar 1942 unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppe dazu ernannt. ....



Techniker, wenn der Ultn. bereits 1942 General war, frage ich mich...?

OK, war ein Scherz!
Ich nehme ganz stark an, das Name und Waffengattung zufällig gleich sind, aber nicht die Person.

NVA * GWD 88-90 * 3. Raketenbrigade

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04.12.2016 11:03
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Techniker ( gelöscht )

So isses, Boofi. Vermutlich haben die Paulus was in den Genen, was sie besonders zur Verwendung in der Panzerwaffe qualifiziert.
Aber, sei es, wie es sei, wir hatten jedenfalls einen guten Zugführer, der sich sehr um uns gekümmert hat. Ich hab nun, 50 Jahre später, natürlich Gedächtnislücken, wenn ich die Zusammenhänge herstellen soll, wann nun genau was gelehrt wurde, aber irgendwann, ich vermute Mal, Anfang des zweiten Lehrjahres stand auch Panzerschiessausbildung auf dem Lehrplan. Der T-54 hatte zu dieser Zeit bereits einen Stabilisator, der die Kanone in der Höhe immer im Ziel hielt, Seitenabweichungen durch Lenkbewegungen des Fahrers, mussten allerdings noch vom Richtschützen nachgeführt werden. Natürlich hatten wir im Fach Panzertechnik bereits vorher die Funktion des Kreisels und des gesamten Stabis gelehrt bekommen und so war es äusserst interessant, das Ganze auch mal im scharfen Schuss zu erproben.
Dabei handelte ich mir einen Tag Arrest ein und das kam so:
Es wurden Besatzungen eingeteilt, jeder musste einmal in der Funktion des Richtschützen handeln, so dass die übrigen Funktionen, also Kdt. und Ladeschütze, ebenfalls innerhalb der Besatzung ständig wechselten. Nur der Fahrer blieb immer der selbe. Ich hatte bereits als Kommandant gearbeitet und war nun als Ladeschütze dran.
Auf das Kdo. "Zum Gefecht" sassen wir auf, der Ladeschütze machte das MG bereit, der Kommandant stellte Funkgerät und Bordsprechanlage (BSA) an und meldete dem Turm Adler xyz, gefechtsbereit. Darauf kam das Kdo: "Adler xyz, vorwärts! Nun musste der Kdt. über die BSA dem Fahrer das Kdo. weitergeben. Als ich als Ladeschütze fungierte, hatte der als Kdt. handelnde OS aber die BSA vergessen einzuschalten, demzufolge reagierte der Fahrer auf keine Kdos, der Pz. blieb in der Ausgangslinie stehen. Die Scheiben klappten auf, die Scheiben klappten ab, nur unser Pz. stand wie angenagelt.
Damit bekam der Schiessende OS die Note 5, obwohl der als Kdt. handelnde die Schuld dafür trug.
Ich hatte das natürlich, genau wie der Fahrer, mitbekommen, dass die BSA nicht eingeschaltet war und machte, dem unmittelbar neben mir stehenden Kdt. entsprechenden Vorwurf. Dieser stritt das aber ab und sagte mir, ch solle mir halt meine Ohren waschen, worauf ich ihm, der wegen seiner Nachlässigkeit in pers. Hygiene bereits mehrfach auffällig war, voller Wut aus der Drehung heraus, einen Fausthieb versetzte.
Das war es dann auch, blutüberströmt machte er Meldung an den Zugführer, der, ohne weiter nachzuhaken, den Zug antreten ließ und mich zu einem Tag Arrest verdonnerte.
Nun, diesen Tag Arrest saß ich ab, als mein Zug sowieso mit der Wachgestellung dran war, und da sich in der Kp. mittlerweile herumgesprochen hatte, wo der Grund dafür lag, hatte ich alle nur denkbaren Vorteile. So kam meine Freundin mal vorbei, um zu erfragen, wieso ich mich denn nicht bei ihr gemeldet hatte und sofort wurde ich, ausgerüstet mit einer Harke, vor die Kaserne zum Laubharken eingesetzt, so dass ich also wirklich keinerlei Grund zur Klage hatte.


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05.12.2016 12:18
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#13
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Techniker ( gelöscht )

Nun hätten wir dieses auch abgearbeitet. In diese Zeit fiel auch die Ablegung der Fahrerlaubnis für LKW und, auch wichtig, für Motorrad. Ich war nämlich mittlerweile Besitzer einer AWO-Sport und so konnte ich die Gegend um Grossenhain bis nach Dresden mit meiner Freundin erkunden. In dieser Zeit wurde die Ausbildung immer praxisbezogener, wir machten immer mehr Ausbildung direkt auf dem Park, an den Fahrzeugen und lernten so die mittleren Panzer immer besser kennen.Als man sich dann in Großenhain richtig eingelebt hatte, so Mitte des zweiten Lehrjahres, hiess es olötzlich: Die Offiziersschulen werden zusammengelegt, neuer Standort wird Löbau. Dazu wurde ein Vorkommando gebildet, welches dort bereits Aufbauarbeit leisten sollte. Ich kann mich erinnern, dass ich dort unter Leitung eines Major Hanske im Schiessgarten zu Gange war. Als der Genosse Hanske mal die Frage stellte, wer denn Elektriker sei, meldete ich mich einfach auch, obwohl ich ja von Beruf Spitzendreher war, aber der zweite Mann war tatsächlich Elektriker und so wirtschafteten wir mit Kabeln, Kabelschellen und Lötkolben herum, dass es eine Freude war. Ganz nebenbei habe ich eine Menge gelernt, was ich in meinem späteren Leben noch sehr gut gebrauchen konnte. So ging die Zeit ins Land, ich lernte in Löbau eine neue Freundin kennen und lieben und kurz vor Ende des dritten Lehrjahres heirateten wir.
Nun stellte sich heraus, dass man die besten OS aus der Fachrichtung Panzer- und Kfz.-Technik nicht mit einem Technikerabschluss in die Truppe schicken wollte, diese sollten zu einem Zug zusammengefasst und ein weiteres Jahr ausgebildet werden. Zu meinem Erstaunen gehörte ich auch zu diesem elitären Kreis. Nun gab es natürlich wieder neue Wettbewerbsziele, es stand u.a. die Frage nach dem Bestenabzeichen. Soll man sich dazu verpflichten, oder nicht? Eigentlich ist es ja Unsinn, dachten manche, wenn ich es als Offz. erst verliehen bekomme, kann ich es ja eh nicht tragen. Ich hab mich jedenfalls dazu verpflichtet, wie etwa 60 Prozent des Zuges. Ich greife jetzt mal vor, diejenigen, die sich zum Besten verpflichtet hatten, wurden mit Ende des vierten Lj. alle zum Leutnant ernannt, der Rest nur zum Ultn. Das sind so Entscheidungen...
Aber bis dahin war noch ein Jahr Zeit. Wir bekamen das volle Programm der ingenieurtechnischen Ausbildung aufgedrückt, dabei hatte es vor allem unser Mathelehrer, Hptm. Donner auf uns abgesehen. Immer dann, wenn wir glaubten, den Stoff verstanden zu haben, kam eine Leistungskontrolle auf uns zu, die uns zeigte, dass es bis zum Verständnis des Stoffs noch ein gutes Stück Arbeit sei. Ich bin ihm, dem späteren Kdr. der Sektion Grundlagen noch heute dankbar, denn von diesem vermittelten Wissen konnte ich sogar noch beim späteren Diplomstudium profitieren.


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