Tag der deutschen Einheit?

02.10.2020 16:47 (zuletzt bearbeitet: 03.10.2020 10:46)
#1
avatar
Mitglied

Ein Netzfund, danke für den unbekannten Verfasser


„Ehrenvoll bis zum letzten Tag gedient“


Ein Netzfund, danke für den unbekannten Verfasser

„Ehrenvoll bis zum letzten Tag gedient“

... eigentlich standen diese Worte auf den sogenannten Reservistentüchern, die jeder Soldat nach Erfüllung seines Soldatenauftrages egal ob als Grundwehrdienstleistender oder als Berufssoldat in der NVA der DDR erhielt ... aber diesmal sollte es anders sein.
Diesmal galt es zu zeigen, dass - auch wenn am 02.10.1990 24:00 Uhr unser Staat die „Deutsche Demokratische Republik“ aufhörte zu existieren und ca. 80.000 nicht so richtig wussten, wie es weiter geht - man eine Verantwortung hat und hatte.
Eine Verantwortung für seine Kameraden, die Genossen hatte man ja vorher beseitigt, eine Verantwortung gegenüber den Untergebenen, die man von ihren Familien zur Ableistung ihres „Ehrendienstes“ übergeben bekommen hatte und eine Verantwortung dem Volke der DDR bzw. den Völkern der angrenzenden Länder gegenüber, denn man hatte hier mit einem Waffenpotential zu tun, und darum konnte man einfach keine Anarchie aufkommen lassen.
Und für Letzteres bestand wirklich eine sehr große Gefahr; aber Anarchie und Chaos ließen der Diensteifer sehr vieler ehemaliger Genossen und Entscheidungsträger nicht zu. Hier zeigte sich einmal mehr warum wir uns gerne „Rote Preußen“ beschimpfen ließen; allerdings ohne einen Kadavergehorsam, den man uns gerne andichtete.
Am 02.10.1990 24:00 Uhr also heute Abend vor 30 Jahren verschwand die Heimat, die unsere Groß- und Urgroßeltern „aus Ruinen auferstehen ließen“ um einer glücklichen und friedvollen Zukunft entgegenblicken zu können.

So hoffnungsvoll und friedliebend dieser Start auch war, so schwer und dornig war auch der Weg.
Und es wurden Fehler gemacht. Fehler die man irgendwann nicht mehr „ausbügeln“ und auch nicht mehr ausgleichen konnte.
Menschliche, wirtschaftliche, geistige Fehler, aber alle diese waren nicht das Hauptproblem. Anders lag es bei den Fehlern beim Vertrauen, beim Vertrauen der Generationen zueinander, Fehler im sogenannten Machtgefüge und Fehler bei der Offenheit.
Letztendlich führte das alleine noch nicht zum Ende der DDR, sondern einfach der Verkauf ( Verrat ) durch die Sowjetunion unter Gorbatschow, welcher seit ca. 1987/88 betrieben wurde, um die SU zu retten, was aber trotzdem in die Hosen ging.
Aber konnte man einen Staat einfach so verkaufen ... ja, vor allem nachdem man ihn über Jahre hinweg destabilisiert hatte und dann dem Volke „die blühenden Landschaften“ des Westens versprach.

Heute wissen wir, überall „wird und wurde nur mit Wasser gekocht“ und es war bitter zu erkennen, das man „die Diktatur des Proletariats“ gegen eine „Diktatur des Kapitals“ eingetauscht hatte.
Und was brachte diese Erkenntnis mit sich, man erkannte, dass sich die „Einheit des Deutschen Volkes“ als teurer erwies, als vorab jemals zu überschauen war.
Teuer auch deshalb, weil man 17 Millionen Menschen nun erklärte, dass als das, was des Volkes Hände erschaffen hatte, nix wert war und es deshalb sprichwörtlich „für `nen Appel und `nen Ei“ treuhänderisch verscherbelte.

War denn wirklich alles für die Tonne?

Alleine die nachweisliche Wertbestimmung des Vermögens der NVA ergab 1990 folgendes Bild:
- Beschaffungswert der Bewaffnung und Militärtechnik einschließlich Munition, Zubehör und Ausrüstung betrug ca. 86 Mrd. Mark der DDR ( Umrechnung in DM 45 Mrd. mit Wertberichtigung)
- Die Lagerbestände von 303.000 t Munition, 200.000 t Treibstoff, 8665 t Verpflegung und 760.000 Bekleidungs- und Ausrüstungssätze lag bei ca. 15 Mrd. DM.
- Die 2120 Liegenschaften hatten einen Grundstückswertumfang von ca. 70 Mrd. DM, die Bauten lagen bei 30 Mrd. DM und der Wohnungsbestand bei 3 Mrd. DM.
- Das Neben- und Kleinstvermögen betrug ca. 25 Mrd. DM
Somit betrug alleine das Gesamtvermögen der NVA zum Zeitpunkt der Auflösung 188 Mrd. DM.
Verkauft wurden damals ca. 86 Prozent ( 162 Mrd. DM) davon für knapp 16 Mrd. DM.
Den Rest der Grundstücke benutzt die Bundeswehr derzeit noch.
Wenn man rein die Zahlen so betrachtet, welche durch Generalmajor a.D. Johannes Oreschko als Leiters der Plankommision der NVA ( in „Im Kalten Krieg: Erinnerungen eines Generals der NVA der DDR“ ) erstellt wurden, stellt sich nur eine Frage: „Warum verscherbelte man das Volksvermögen und erzählt dann, es wäre nichts wert gewesen?“.
Ganz einfach, um die Leute „unten zu halten“, weil sonst wären ja Fragen aufgekommen und die wollte und konnte man nicht gebrauchen.

Fragen nach dem Sein - und im Falle der ehemaligen NVA Angehörigen - dem Sinn des Soldat seins.
Aber es ist nun mal so, diesen „Krieg“ hat die DDR und damit auch die NVA verloren...
aber unseren Stolz auf uns als ehemalige „Soldaten und Matrosen, Unteroffiziere und Maate, Fähnriche und Offiziere, Generale und Admirale und Zivilbeschäftigte der NVA und GT der DDR“ konnten und können sie uns nicht nehmen.

Stolz worauf?
Stolz darauf
- nie einen Krieg geführt zu haben
- treu bis zum bitteren Ende dafür gesorgt zu haben, das Anarchie und Chaos nicht flächendeckend zuschlagen konnten
- einem Land gedient zu haben, das wir liebten, ehrten und in dem wir zu dem erzogen und geformt wurden, was wir heute sind.
Lassen wir morgen die gegenseitige Beweihräucherung der Politiker am „Tag der Deutschen Einheit“ doch gerne zu, aber sagen wir uns auch
„Laß uns dir zum Guten dienen
Deutschland, einig Vaterland“ .
Dabei wollen wir als Deutsche in Deutschland nicht „über alles“ sein, sondern wir reichen lieber den Völkern die Hände, damit das Licht des Friedens und die Sonne, schön wie nie über allen scheint.
.



FuAB-21/NB-4/AB-4/MSR-24/OHS S08/Rentner

Jedes Ding hat drei Seiten: mein, deine und die der Tatsachen.


 Antworten

 Beitrag melden
02.10.2020 21:58
#2
avatar
Mitglied

es war nicht Diensteifer, sondern das Verantwortungsbewußtsein, will ich mal einwenden...., ansonsten hielt sich mein Diensteifer in Grenzen... und zu ehrlich war man auch noch. Ansonsten, wie bei jeder gesellschaftlichen Umwälzung gibt es Gewinner und Verlierer, was ein jeder darunter verstehen mag. Und das auch viel (Ab)-Schaum nach oben gespült wurd e( mit und ohne Nadelstreifen) sollte man nicht unerwähnt lassen. Nun, der "Auslauf" ist größer geworden, einstmals begrenzt durch Gesetze; heute durch die materiellen Möglichkeiten
Was solls, für mich ist der 3.10. halt ein freier Tag, mehr nicht!

Es liegt in der menschlichen Natur, daß man von jeder Einrichtung die Dornen stärker empfindet als die Rosen.

Otto Eduard Leopold Fürst von Bismarck (1815 - 1898), preußisch-deutscher Staatsmann und 1. Reichskanzler

 Antworten

 Beitrag melden
03.10.2020 18:17
#3
avatar
Mitglied

Beitrag #2

Immer positiv Denken!
hadis-soldatenforum


 Antworten

 Beitrag melden
04.10.2020 10:36
#4
avatar
Mitglied

Der Tag und das politische Blabla ist vorbei.
In Sachsen hatten sie Probleme mit der Gedenkrede, 3 Parteinen fehlten im Parlament.
Die Bürgerbewegten (Vaatz) spalten eben heute noch.
Nur Mist, der Tag kommt jedes Jahr.

Immer positiv Denken!
hadis-soldatenforum


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!
Forenspende
Hallo !

Wir hoffen, dass dir unser Forum gefällt und du dich hier genauso wohlfühlst wie wir.

Wenn du uns bei der Erhaltung des Forums unterstützen möchtest, kannst du mit Hilfe einer kleinen Spende dazu beitragen, den weiteren Betrieb zu finanzieren.

Deine Spende hilft!

Spendenziel: 200€
72%