"Pfeffi" und die EK\'s

29.08.2013 22:27 (zuletzt bearbeitet: 25.05.2021 09:10)
#1
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"Pfeffi" und die EK´s
Ein Mann der meine Hochachtung verdient, ein Vorbild in allen dienstlichen Bereichen. Da hatte ich ja auch nur mit ihm Kontakt.
Wenn er durch Regiment ging und das war für seine Dienststellung gesehen sehr oft. Sprach er durchaus Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere mit Namen an. Unbegreiflich wen er alles kannte. Es war halt ein Kommandeur für den jeder Regimentsangehöriger unbedingt vertraute und auch vertrauen konnte.
Nun gab es auch in unserem Regiment die „EK“-Bewegung zum Leidwesen von Pfeffi und seinem Stab, allen voran die politische Führung.
Es gab ja die unterschiedlichsten Aktivitäten einschließlich der Auswirkungen. Ich selbst halte von den Exzessen der „EK“-Bewegung nicht viel. Die schlimmsten Übeltäter hatten kein Niveau und sind auch heute noch in meinen Augen Primitivlinge.
Doch zurück zu unserm Regimenter. Am 23.07.1975 hatten wir einen Regimentsappell. Der allgemeine Ablauf, Begrüßung des Regimentskommandeurs, Antwort des Regiments auf den Gruß des Kommandeurs, Verlesung des Anlasses der Zusammenkunft (Ich weiß nicht mehr um was es ging), Auszeichnung von Armeeangehörigen und, und, und…...
Vor rufen eines Gefr. (Name leider entfallen, nennen wir ihn einfach Müller) Front zum angetretenen Regiment. „Pfeffi“ verließ seine Tribüne und trat vor den Gefreiten.
und jetzt kam der
1.Hammer.“ Gefr. Müller ihr Bandmaß“ schallte es klar und unmissverständlich über den Appellplatz. Betretenes Schweigen auf der Tribüne. Erstarrtes Regiment. Schweißgebadeter Gefreiter., mit folgenden Gedankengängen.
Was tun. Zeige ich kein Bandmaß laufe ich Gefahr Hohn und Spott bei den EK`s der Einheit, denn dann habe ich es vergessen. Zeige ich es, dann nimmt er es mir weg, gleichfalls Hohn und Spott, aber das „Kunstwerk“ ist weg. Ist aber das kleinere Übel.
Er hat sich dann für das kleinere Übel entschieden. Also Bandmaß raus und Übergeben.
Und jetzt der
2. Hammer. Der Regimenter holte eine Schere aus seiner Tasche, schnitt den 100sten Tag ab, Übergab das Bandmaß dem Gefreiten, stieg auf die Tribüne und hielt frei eine Rede an die Gefreiten die letzten 99 Tage ihr Wissen und Können an die jüngeren Diensthalbjahre zu übergeben, keine Disziplinarverstöße zu begehen und den Dienst in Ehren zu beenden.
der
3. Hammer kam jetzt mit dem Befehl alle Gefr. und Unteroffiziere der letzten Diensthalbjahres vortreten und in Zugformation aufstellen. Der Rest des Regimentes durfte dann vorbeimarschieren.
Ein unvergessliches Erlebnis. Das war eben unser Regimenter.
Ich glaube wir hatten danach auch weniger Diziplinarverstöße im Regiment. Unsere politische Führung wird dann hinter verschlossen Türen unsern Kommandeur bestimmt „belehrt“ haben. Eigentlich Schade, war doch eine guter Ansatz die „EK“-Bewegung etwas einzudämmen und in die Verantwortung zu nehmen. Wir hatten ja keine Söldner sonder Soldaten aus des Volkes Mitte.


[ Editiert von oldmafri am 29.08.13 22:37 ]



FuAB-21/NB-4/AB-4/MSR-24/OHS S08/Rentner

Jedes Ding hat drei Seiten: mein, deine und die der Tatsachen.


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07.04.2015 19:08
avatar  0bstihj
#2
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Eine tolle Geschichte, wer konnte der hatte die Truppe hinter sich. In dem Fall euer "Pfeffi" bestimmt!

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10.04.2015 13:20
#3
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Einfach stark.
Der Mann wusste, wie er sich ein Denkmal in den Köpfen der Soldaten errichten konnte.

Als bei uns der Tag des Anschnittes (28.11.1989, Dienstag) kam, verkündete der Spieß zur Dienstausgabe plötzlich und unerwartet Ausgang für alle EKs.
Freude!
Der Spieß sprach weiter, dass es anläßlich unseres Anschnittes gemeinsam in die Kanone geht. Die Kanone war ein Gasthaus ca. 1km von der Kaserne entfernt in Tautenhain.
Die Freude war danach bei einigen etwas verhaltener, aber Ausgang und raus aus der Kaserne war um jeden Preis eine willkommene Abwechslung.
So wagte niemand aufzumuckten. Nicht jeder kam mit dem Spieß klar, da er bei allen mehr oder weniger schonmal einen Urlaub oder Ausgang gestrichen hatte.

Nach Dienst ging es dann in die Kanone und unser Spieß holte seine Schere raus und schnippelte bei denen, die das wollten den ersten Tag ab.
So verlor auch ich die 150. Ob der Tag gedient oder ungedient war, also die Zahl des Bandmaßschnipsel nach oben oder unten fiel, weis ich nicht mehr.
Ab ist ab, das war das Einzigste was für mich gezählt hat.
Der Grund für diese Aktion war auch, irgendwelchen EK-Exzessen in der Kaserne vorzubeugen.
Ich hatte übrigens an dem Abend nicht nur Ausgang, sondern 2 Tage Urlaub, den ich dadurch um ein paar Stunden verspätet antrat.
Ich wohnte ja nur wenige Orte weiter und lies mich dann abends in der Kneipe abholen.
Am nächsten Tag ging es dann in den Westen, nach Hof zum Geld umtauschen und mal gucken.
In Hof lief ich dann an einer BW-Kaserne vorbei und ärgerte mich, dass ich mein frisch angeschnittenes Bandmaß nicht mit hatte, ansonsten hätte ich denen die dort rumsprangen zu gern mal einen "Blick zur Sonne" gegönnt.
Der Blick zur Sonne, so hieß bei und das Vorzeigen des Bandmaßes gegenüber anderen, die noch eine Weile dienen mussten.

Boofinger

NVA * GWD 88-90 * 3. Raketenbrigade

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